Okt 292017
 

Luther auf dem Petersplatz in Rom

Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautete, könnte zum Abschluss des Reformationsjubiläums eine 50 m hohe Martin-Luther-Statue auf dem Petersplatz in Rom aufgestellt werden. Die Bronze-Statue sei „als ein Zeichen für die Überwindung konfessioneller Gräben und Grenzen“ gedacht. Im Netz kursieren inzwischen Fotos von einem Modell der gigantischen Statue mit dem Petersdom im Hintergrund. 

Hinter entsprechenden Meldungen stehen vermutlich zwei neue Bürgerinitiativen. Während die eine „Reformation kennt keine Schranken“ proklamiert, schreibt sich die andere „Luther war katholisch“ auf ihre Fahnen. Angesichts der ungewissen Quellenlage muss leider offen bleiben, ob es sich bei alledem um Fakten oder Fakenews handelt.

Zudem gibt es noch keine Antwort auf die Frage, was mit dem ägyptischen Obelisk geschehen wird, der bislang anstelle des Reformators auf dem Petersplatz steht.

 29. Oktober 2017  No Responses »
Sep 172017
 

Die Meisterklasse „Zeitgenössischer Tanz“ im Rahmen des Schwäbischen Kunstsommers 2017 wurde von Jochen Heckmann und Adriana Mortelliti geleitet. Nicht nur die abschließenden Tanzaufführungen zur großen Kunst-Sommernacht begeisterten die Zusschauer: Das Video zeigt Impressionen aus den Proben der Meisterklasse, die von der atmosphärischen Dichte, Dynamik und tänzerischen Energie der Werkstattarbeit sprechen. Es öffnet Einblicke in die anspruchsvolle Arbeit an choreographischen Sequenzen und die Artikulation „innerer Bilder“ über den Körper. Beim Betrachten der Szenen bekomme ich nach wie vor eine Gänsehaut: die Sprache des Tanzes wirkt unmittelbar.

Mehr über Jochen Heckmann und Adriana Mortelliti unter www.choreoart.net

 17. September 2017  No Responses »
Sep 172017
 

Im Rahmen des Schwäbischen Kunstsommers 2017 installierte Liz Ingram in Zusammenarbeit mit Bernd Hildebrandt im Treppenhaus von Kloster Irsee eine eindrucksvolle Arbeit mit dem Titel „Silken Refuge“. Die fünf jeweils 6,30 großen Inkjet-Prints auf Seide bewegten sich beim leisesten Luftzug und brachten so das barocke Treppenhaus spielerisch in Bewegung. Die Installation sprach von der Fragilität des Lebens und der Umwelt. Im ersten Moment absurd wirken dem gegenüber Worte wie „Beharren“ (persistance) und Widerstand (reistance), die am Boden der Installtion zu lesen sind. Lässt man sich auf die zarte Bewegung und Lichtdurchlässigkeit des seidenen Zufluchtsraumes ein, entsteht eine neue Art der Beharrlichkeit, die ihre Kraft aus dem beharrlichen Nichtbeharren schöpft.

Ein besonderes Schauspiel war das Hochziehen der Installation zur Eröffnung des Kunstsommers. Gezeigt wird im Video dann auch das Herablassen der Arbeit: wie eine riesige Blüte liegt das Tuch am Anfang und Ende im Treppenraum, wenn man so will auch ein Symbol für Werden und Vergehen.

Mehr über die Kanadierin Liz Ingram unter www.lizingram.com

 17. September 2017  No Responses »
Jul 182017
 

Ein Papierzaun am Meer. Nicht wetterbeständig. Von Weideruten gehalten. Der Witterung ausgesetzt. Schattenspiele auf dem Papier. Mit groben Strichen festgehalten. Notationen eines Bewegungsverlaufs, Aufzeichnung des Lichteinfalls. Dies umschreibt das Setting meines Projekt „Be-Entgrenzungen“.

Im Halbjahresprogramm August 2017  bis Januar 2018 der Evangelischen Akademie der Nordkirche kann ich einige Fotos der „Sea-Art“ meines Land- und Sea-Art-Projektes „Be- und Entgrenzungen“ zeigen.

Im Innenteil des Programms werden Aspekte des Projektes auf unsere heutige Zeit übertragen. Es heißt dort: „Das Thema ‚Grenzen‘ ist ein zentraler Topos unserer Zeit: Die Briten wählten den Brexit. Donald Trump hat die Absicht, eine Mauer zu bauen. Viele wollen Grenzen – Globalisierung und Migration überschreiten sie.“

Dieser zeitgeschichtlichen Relevanz meines Projektes mag ich nicht widersprechen. Dennoch möchte ich es nicht auf diesen Aspekt verkürzt wissen. Denn es ist in einem ausgesprochen offenen Kontext entstanden. Es will sich nicht vereindeutigen lassen. „Be-Entgrenzungen“ brauchen Ambiguität, damit sie in meinen Augen Bestand haben. Zugleich aber wird deutlich: Bilder haben Symbolkraft. Sie können immer auch gesellschaftliche Phänomene in Szene rücken und zugleich abstrahieren.

An diesem Punkt wird Land- und Sea-Art grenzüberschreitend gesellschaftspolitisch.

 

Mehr zu dem Land- und Sea-Art-Projekt „Be- und Entgrenzungen“

Hier einige Einlassungen von meiner Seite zu dem Projekt.

Gewachsene Pflanzenwelt, gepflegt. Nutzbar und wild zugleich. Rosen, Himbeeren, Holunder, Disteln. Ein Garten. Mit Ausblicken in den nahen Auenwald. Pappeln und Weiden. Irgendwo. Im Norden. Meeresnähe. Spätsommer, still. Nur selten gestörte Idylle. Locus amoenus. Oder gar ein hortus conclusus. Hinter hohen Hecken verborgen.

Mitten durch den Garten ein Papierzaun. Zeitungspapier. Nicht wetterbeständig. Von Weidenruten gehalten. Dem Wetter ausgesetzt. Regen und Wind. Schattenspiele auf dem Papier. Mit groben Strichen festgehalten. Notation eines Bewegungsverlaufs, Aufzeichnung des Lichteinfalls. John Cage auf Zeitungspapier. Zugleich ein Strichcode, eine Schrift, im Moment entstanden, impulsiv und emotional: eine Beschreibung des inneren Gartens. Wenn du die Augen schließt, kannst du die Stille hören.

Der Zaun begrenzt, teilt den Garten in Räume. Zeiträume. Teilt die Zeit. Davor und danach, dahinter und davor. Kunst und Natur. Verknüpfung von Kunst und Natur. Land-Art.

Später am Meer das gleiche Schauspiel. Jetzt Meeresgarten. Jetzt Meereszaun. Meeresbegrenzung: Salz und Schallfänger. Das Papier fängt den Gesang der Wellen auf. Salzgeschmack auf den Lippen. Da ist das Land, dort das Meer. Dazwischen Begrenzung. Steine. Sand. Sea-Art.

Begrenzung oder Entgrenzung? Papierzäune sind leicht. Sind durchlässige Zäune. Sie beschreiben eine Grenze, sind aber nicht wirklich Grenze. Eher umschreiben sie Entgrenzungen, öffnen statt zu versperren und zu begrenzen. Denn stets ist der Himmel nah

 

 

 18. Juli 2017  No Responses »
Apr 292017
 

Ludwigshafen lohnt sich in Sachen Kunst. Nicht nur das Wilhelm-Hack Museum ist für mich ein Grund,  immer wieder mal die BASF-Stadt am Rhein zu besuchen. Dank der Kunsthalle Mannheim bin ich inzwischen auch Fan des kulTurm: eine echt coole Location. Der ehemaliger Bunker und Wasserturm wurde in mehreren Stockwerken zu einer Cafe-Galerie-Lounge umgebaut. Besonders cool ist es, wenn dort Kunst Raum findet. So Ende April mit der Eröffnungsveranstaltung von „On the Move. Eine Veranstaltungsreihe der Kunsthalle Mannheim. Wegen Umbau beschlossen 2017“.

Oberstes Stockwerk des kulTurms während der Palmtag-Performance

Wie der Name der Reihe schon sagt: tatsächlich ist die Kunsthalle Mannheim bis Ende des Jahres geschlossen. Und auch nicht. Mit der Idee, die Kunsthalle in ganz Baden-Württemberg auf Reisen zu schicken, hat man einen künstlerisch überzeugenden und zugleich werbewirksamen Coup gelandet. Der junge Kurator der Reihe, Sebastian Baden, präsentiert ein Interims-Programm mit Vorträgen, Performances und Kunstaktionen, das dazu bewegt, sich in Bewegung zu setzen, geistig und physisch. 

Den Anfang machte der Multimediakünstler Jürgen Palmtag (Schömberg-Schörzingen). Er führte im  obersten Bereich des Wasserturms seine fast zweistündige Musikperformance „Kraakspeech“ auf. Computer generierte Hörstücke aus Popmusik-Samples, Sprechgesang und akustische Klangeffekte wechselten ab mit Improvisationen auf der Mundharmonika. Die überzeugende Performance wurde von einer Lichtinstallation begleitet. Mehr dazu im folgenden Videoclip.

 

 
 

 29. April 2017  No Responses »