Jul 182017
 

Ein Papierzaun am Meer. Nicht wetterbeständig. Von Weideruten gehalten. Der Witterung ausgesetzt. Schattenspiele auf dem Papier. Mit groben Strichen festgehalten. Notationen eines Bewegungsverlaufs, Aufzeichnung des Lichteinfalls. Dies umschreibt das Setting meines Projekt „Be-Entgrenzungen“.

Im Halbjahresprogramm August 2017  bis Januar 2018 der Evangelischen Akademie der Nordkirche kann ich einige Fotos der „Sea-Art“ meines Land- und Sea-Art-Projektes „Be- und Entgrenzungen“ zeigen.

Im Innenteil des Programms werden Aspekte des Projektes auf unsere heutige Zeit übertragen. Es heißt dort: „Das Thema ‚Grenzen‘ ist ein zentraler Topos unserer Zeit: Die Briten wählten den Brexit. Donald Trump hat die Absicht, eine Mauer zu bauen. Viele wollen Grenzen – Globalisierung und Migration überschreiten sie.“

Dieser zeitgeschichtlichen Relevanz meines Projektes mag ich nicht widersprechen. Dennoch möchte ich es nicht auf diesen Aspekt verkürzt wissen. Denn es ist in einem ausgesprochen offenen Kontext entstanden. Es will sich nicht vereindeutigen lassen. „Be-Entgrenzungen“ brauchen Ambiguität, damit sie in meinen Augen Bestand haben. Zugleich aber wird deutlich: Bilder haben Symbolkraft. Sie können immer auch gesellschaftliche Phänomene in Szene rücken und zugleich abstrahieren.

An diesem Punkt wird Land- und Sea-Art grenzüberschreitend gesellschaftspolitisch.

 

Mehr zu dem Land- und Sea-Art-Projekt „Be- und Entgrenzungen“

Hier einige Einlassungen von meiner Seite zu dem Projekt.

Gewachsene Pflanzenwelt, gepflegt. Nutzbar und wild zugleich. Rosen, Himbeeren, Holunder, Disteln. Ein Garten. Mit Ausblicken in den nahen Auenwald. Pappeln und Weiden. Irgendwo. Im Norden. Meeresnähe. Spätsommer, still. Nur selten gestörte Idylle. Locus amoenus. Oder gar ein hortus conclusus. Hinter hohen Hecken verborgen.

Mitten durch den Garten ein Papierzaun. Zeitungspapier. Nicht wetterbeständig. Von Weidenruten gehalten. Dem Wetter ausgesetzt. Regen und Wind. Schattenspiele auf dem Papier. Mit groben Strichen festgehalten. Notation eines Bewegungsverlaufs, Aufzeichnung des Lichteinfalls. John Cage auf Zeitungspapier. Zugleich ein Strichcode, eine Schrift, im Moment entstanden, impulsiv und emotional: eine Beschreibung des inneren Gartens. Wenn du die Augen schließt, kannst du die Stille hören.

Der Zaun begrenzt, teilt den Garten in Räume. Zeiträume. Teilt die Zeit. Davor und danach, dahinter und davor. Kunst und Natur. Verknüpfung von Kunst und Natur. Land-Art.

Später am Meer das gleiche Schauspiel. Jetzt Meeresgarten. Jetzt Meereszaun. Meeresbegrenzung: Salz und Schallfänger. Das Papier fängt den Gesang der Wellen auf. Salzgeschmack auf den Lippen. Da ist das Land, dort das Meer. Dazwischen Begrenzung. Steine. Sand. Sea-Art.

Begrenzung oder Entgrenzung? Papierzäune sind leicht. Sind durchlässige Zäune. Sie beschreiben eine Grenze, sind aber nicht wirklich Grenze. Eher umschreiben sie Entgrenzungen, öffnen statt zu versperren und zu begrenzen. Denn stets ist der Himmel nah

 

 

 18. Juli 2017  No Responses »
Sep 092014
 

Gewachsene Pflanzenwelt, gepflegt. Nutzbar und wild zugleich. Rosen, Himbeeren, Holunder, Disteln. Ein Garten. Mit Ausblicken in den nahen Auenwald. Pappeln und Weiden. Unweit von Traenekaer, Dänemark. Spätsommer, still. Nur selten gestörte Idylle. Locus amoenus. Oder gar ein hortus conclusus. Hinter hohen Hecken verborgen.

Mitten durch den Garten ein Zaun, ein Papierzaun. Von Weidenruten gehalten. Dem Wetter ausgesetzt. Regen und Wind. Schattenspiele auf dem Papier. Mit groben Strichen festgehalten. Notation eines Bewegungsverlaufs, des Lichteinfalls. Zugleich ein Strichcode, eine Schrift, impulsiv im Moment entstanden, eine Beschreibung des Gartens.

Der Zaun begrenzt, teilt den Garten in Räume. Zeiträume. Davor und danach, dahinter und davor. Kunst und Natur. Verknüpfung von Kunst und Natur. Später wird der Ort verschoben. Oder der Zaun. Land und Meer werden begrenzt. Oder entgrenzt? Einmal ist es Land-Art. Das andere mal Sea-Art.

Land-Art Begrenzung

Sea-Art Begrenzung

Land-Art Entgrenzung

Mai 182013
 

Am Anfang war der Wald … Waldausstellung

Am Anfang stand eine Waldausstellung mit dem Ziel der Inszenierung von Kunst in Natur. Grenzüberschreitung und Befremdung: was haben Fotografien im Biotop verloren? Natur wird zum Kunstraum, in dem Verfall möglich ist im Gegensatz zum vollklimatisierten Museum. Das Naturmuseum als Gegenpol zur Verwahrungsanstalt Kunstmuseum. Die Fotografien segnen das Zeitlich, bereits nach wenigen Monaten verändert sie sich durch den Lichteinfall und Witterung ihr Aussehen. Indem alles fotografisch festgehalten wird, wird der Verfall aufgehalten: Fotografie des Verfalls als Widerstand gegen den Verfall.

Die Stille im Naturmuseum war beängstigend. Stiller als es in jedem Kunstmuseum zugeht. Niemand lief durch die Hallen: Die Fotografien in der Natur wurden von niemanden beachtet. Zumindest bekam ich nie Rückmeldung. Ein temporärer Eingriff in die Natur. Ich erinnere mich bei meinen Wald-Ausstellungsbesuchen an die Arbeiten von Anna und Bernhard Blume „Im Wald“. Groteske Selbstinszenierungen, bei denen der Wald ein Eigenleben entwickelt. Nach einigen Besuchen der Ausstellung spürte ich, dass der Ort zu einem Privat-Heiligtum geworden war. Mein Walden Pont a la Thoureau? Rückzugsraum, quasi sakral? Nicht immer war das Museum zugänglich: Brennnesselabsicherung …

Ich nahm den Raum mit der Ausstellung mit mehreren Performances in Besitz. Raumnahme durch Bewegung. Festgehaltene Bewegung und temporäre Transitwelt, dokumentiert mittels Fotografie. Was die Ausstellung angeht: nach einem Jahr habe ich die Fotografien an den Bäumen entfernt. Rückblickend spüre ich, dass die Fotografien die Landschaft aufgenommen haben und umgekehrt an den Bäumen noch immer die Fotografien hängen. Und mehr noch: „Landschaftsaufnahmen sind letztlich Bilder ‚innerer Landschaften'“, so Susan Sontag über den Fotografen Minor White (in: S. Sontag, Über Fotografie, Frankfurt 1980, S. 118).

 18. Mai 2013  No Responses »