Okt 292017
 

Luther auf dem Petersplatz in Rom

Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautete, könnte zum Abschluss des Reformationsjubiläums eine 50 m hohe Martin-Luther-Statue auf dem Petersplatz in Rom aufgestellt werden. Die Bronze-Statue sei „als ein Zeichen für die Überwindung konfessioneller Gräben und Grenzen“ gedacht. Im Netz kursieren inzwischen Fotos von einem Modell der gigantischen Statue mit dem Petersdom im Hintergrund. 

Hinter entsprechenden Meldungen stehen vermutlich zwei neue Bürgerinitiativen. Während die eine „Reformation kennt keine Schranken“ proklamiert, schreibt sich die andere „Luther war katholisch“ auf ihre Fahnen. Angesichts der ungewissen Quellenlage muss leider offen bleiben, ob es sich bei alledem um Fakten oder Fakenews handelt.

Zudem gibt es noch keine Antwort auf die Frage, was mit dem ägyptischen Obelisk geschehen wird, der bislang anstelle des Reformators auf dem Petersplatz steht.

 29. Oktober 2017  No Responses »
Jul 182017
 

Ein Papierzaun am Meer. Nicht wetterbeständig. Von Weideruten gehalten. Der Witterung ausgesetzt. Schattenspiele auf dem Papier. Mit groben Strichen festgehalten. Notationen eines Bewegungsverlaufs, Aufzeichnung des Lichteinfalls. Dies umschreibt das Setting meines Projekt „Be-Entgrenzungen“.

Im Halbjahresprogramm August 2017  bis Januar 2018 der Evangelischen Akademie der Nordkirche kann ich einige Fotos der „Sea-Art“ meines Land- und Sea-Art-Projektes „Be- und Entgrenzungen“ zeigen.

Im Innenteil des Programms werden Aspekte des Projektes auf unsere heutige Zeit übertragen. Es heißt dort: „Das Thema ‚Grenzen‘ ist ein zentraler Topos unserer Zeit: Die Briten wählten den Brexit. Donald Trump hat die Absicht, eine Mauer zu bauen. Viele wollen Grenzen – Globalisierung und Migration überschreiten sie.“

Dieser zeitgeschichtlichen Relevanz meines Projektes mag ich nicht widersprechen. Dennoch möchte ich es nicht auf diesen Aspekt verkürzt wissen. Denn es ist in einem ausgesprochen offenen Kontext entstanden. Es will sich nicht vereindeutigen lassen. „Be-Entgrenzungen“ brauchen Ambiguität, damit sie in meinen Augen Bestand haben. Zugleich aber wird deutlich: Bilder haben Symbolkraft. Sie können immer auch gesellschaftliche Phänomene in Szene rücken und zugleich abstrahieren.

An diesem Punkt wird Land- und Sea-Art grenzüberschreitend gesellschaftspolitisch.

 

Mehr zu dem Land- und Sea-Art-Projekt „Be- und Entgrenzungen“

Hier einige Einlassungen von meiner Seite zu dem Projekt.

Gewachsene Pflanzenwelt, gepflegt. Nutzbar und wild zugleich. Rosen, Himbeeren, Holunder, Disteln. Ein Garten. Mit Ausblicken in den nahen Auenwald. Pappeln und Weiden. Irgendwo. Im Norden. Meeresnähe. Spätsommer, still. Nur selten gestörte Idylle. Locus amoenus. Oder gar ein hortus conclusus. Hinter hohen Hecken verborgen.

Mitten durch den Garten ein Papierzaun. Zeitungspapier. Nicht wetterbeständig. Von Weidenruten gehalten. Dem Wetter ausgesetzt. Regen und Wind. Schattenspiele auf dem Papier. Mit groben Strichen festgehalten. Notation eines Bewegungsverlaufs, Aufzeichnung des Lichteinfalls. John Cage auf Zeitungspapier. Zugleich ein Strichcode, eine Schrift, im Moment entstanden, impulsiv und emotional: eine Beschreibung des inneren Gartens. Wenn du die Augen schließt, kannst du die Stille hören.

Der Zaun begrenzt, teilt den Garten in Räume. Zeiträume. Teilt die Zeit. Davor und danach, dahinter und davor. Kunst und Natur. Verknüpfung von Kunst und Natur. Land-Art.

Später am Meer das gleiche Schauspiel. Jetzt Meeresgarten. Jetzt Meereszaun. Meeresbegrenzung: Salz und Schallfänger. Das Papier fängt den Gesang der Wellen auf. Salzgeschmack auf den Lippen. Da ist das Land, dort das Meer. Dazwischen Begrenzung. Steine. Sand. Sea-Art.

Begrenzung oder Entgrenzung? Papierzäune sind leicht. Sind durchlässige Zäune. Sie beschreiben eine Grenze, sind aber nicht wirklich Grenze. Eher umschreiben sie Entgrenzungen, öffnen statt zu versperren und zu begrenzen. Denn stets ist der Himmel nah

 

 

 18. Juli 2017  No Responses »
Apr 072015
 

Anti-Entropie: Wiederherstellung der Ordnung oder: Die Rückkehr ins Schaumkuss-Paradies

Die „Konversation“ zwischen einem Rührlöffel und drei Schokoküssen endet nicht in Unordnung oder Zerstörung, sondern schafft mit Zauberhand Ordnung im vermeintlichen Chaos. Entropie erscheint auf einmal reversibel … Heureka ! Das Ei des Kolumbus ist gefunden. Die Rückkehr ins Schaumkuss-Paradies ist möglich. Oder: auf den richtigen Rührlöffel kommt es an.

 7. April 2015  No Responses »
Mrz 232015
 

Konversion – Sinfonische Konversation zwischen sechs Schaumküssen und einem Holzklöppel

Konversion ist Umkehr, Umkehrung, Umnutzung, Verwandlung, Einschmelzung oder auch schlicht Nutzungsänderung. Die sinfonische Konversation ist ein Spezialfall der Konversion: Schaumküsse erklingen, verlieren aber zugleich mit jedem Klöppelschlag die Form, lösen sich auf. Ihre Klangkörper verschwinden im Prozess, die Ummantelung löst sich,  blättert ab, der Schaum schmilzt. Der Gang der Dinge, lautstark vernehmbar, Veränderung der vorherrschenden Ordnung.

Neues entsteht, ein veränderte Beziehung, ein anderes Verhältnis. Möglicherweise unverhältnismäßig, da augenscheinlich zerstörerisch. Aus Schaumküssen wurde Schaumbrei. Und am Ende verliert auch der Klöppel seinen  Sinn … Könnte man meinen. Oder ging es um Klangerzeugung unter vollem Einsatz der Instrumente mit notwendigem Ende?

Es kommt auf den Blick- und Hörwinkel an.

 23. März 2015  No Responses »
Mai 192013
 

4teilige Konzept-Arbeit – Teil der konzeptionellen Arbeit „Platzhalter“,

Unter dem Titel „Kunstwerk [Platzhalter]“ hängt seit 2011 in der Evangelischen Akademie in Bad Herrenalb eine Serie von 10 großformatigen Fotoarbeiten (120×80 cm). Sie versteht sich, wie der Titel andeutet, nur als Platzhalter. Bis zur Umset­zung eines künstlerischen Gesamtkonzeptes für die Akademie definiert die Serie den Raum für Ausstellungen stellvertretend für zukünftige Ausstellungen und als Konzept vor dem Konzept. Ausgangspunkt für die Serie waren dokumentarische Fotografien von Raumsituationen in der Tagungsstätte.

Indem Platzhalter Platz beanspruchen und Raum einnehmen, verliert sich der Aspekt der Vorläufigkeit. Die im Haus der Begegnung gezeigte [Platzhalter]-Serie ist eine überarbeitete Fassung einer konzeptuellen Arbeit, die im Kontext der [Platzhalter]-Serie in Bad Herrenalb entstanden Ist. Sie ist diesmal kein Platzhalter für andere Arbeiten, sondern steht für den Diskurs über Bild und Wort als protestantische Kommunikationsmedien. 500 Jahre nach der Reformation will sie dazu beizutragen, die immer noch spürbare protestantische Bildferne und Bilderkritik zu überwinden. Dass sich die Serie dabei des Wortes bedient, ist kein Zufall: die Nähe des Wortes zum Bild soll ebenso deutlich werden wie  die Nähe des Bildes zum Wort.

Die Serie wurde darüber hinaus als fortlaufende Slideshow umgesetzt.

 19. Mai 2013  No Responses »