Mai 012018
 

„Sieben Tage, sieben Schwarz-Weiß-Fotos aus deinem Leben. Keine Menschen, keine Erklärung(en). Nominiere jeden Tag eine weitere Person.“ #7tage7fotos: Ich habe auf Twitter an der Aktion teilgenommen, aber niemanden nomiert. Die vollständigen Spielregeln fehlten mir. Vielleicht sollte ich noch mal von vorne beginnen?

Hier jedenfalls die sieben unkommentierten und von niemanden als mir selbst nominierten Schwarzweiß-Fotos aus meinem Leben.

 

 

 1. Mai 2018  No Responses »
Okt 292017
 

Luther auf dem Petersplatz in Rom

Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautete, könnte zum Abschluss des Reformationsjubiläums eine 50 m hohe Martin-Luther-Statue auf dem Petersplatz in Rom aufgestellt werden. Die Bronze-Statue sei „als ein Zeichen für die Überwindung konfessioneller Gräben und Grenzen“ gedacht. Im Netz kursieren inzwischen Fotos von einem Modell der gigantischen Statue mit dem Petersdom im Hintergrund. 

Hinter entsprechenden Meldungen stehen vermutlich zwei neue Bürgerinitiativen. Während die eine „Reformation kennt keine Schranken“ proklamiert, schreibt sich die andere „Luther war katholisch“ auf ihre Fahnen. Angesichts der ungewissen Quellenlage muss leider offen bleiben, ob es sich bei alledem um Fakten oder Fakenews handelt.

Zudem gibt es noch keine Antwort auf die Frage, was mit dem ägyptischen Obelisk geschehen wird, der bislang anstelle des Reformators auf dem Petersplatz steht.

 29. Oktober 2017  No Responses »
Jul 182017
 

Ein Papierzaun am Meer. Nicht wetterbeständig. Von Weideruten gehalten. Der Witterung ausgesetzt. Schattenspiele auf dem Papier. Mit groben Strichen festgehalten. Notationen eines Bewegungsverlaufs, Aufzeichnung des Lichteinfalls. Dies umschreibt das Setting meines Projekt „Be-Entgrenzungen“.

Im Halbjahresprogramm August 2017  bis Januar 2018 der Evangelischen Akademie der Nordkirche kann ich einige Fotos der „Sea-Art“ meines Land- und Sea-Art-Projektes „Be- und Entgrenzungen“ zeigen.

Im Innenteil des Programms werden Aspekte des Projektes auf unsere heutige Zeit übertragen. Es heißt dort: „Das Thema ‚Grenzen‘ ist ein zentraler Topos unserer Zeit: Die Briten wählten den Brexit. Donald Trump hat die Absicht, eine Mauer zu bauen. Viele wollen Grenzen – Globalisierung und Migration überschreiten sie.“

Dieser zeitgeschichtlichen Relevanz meines Projektes mag ich nicht widersprechen. Dennoch möchte ich es nicht auf diesen Aspekt verkürzt wissen. Denn es ist in einem ausgesprochen offenen Kontext entstanden. Es will sich nicht vereindeutigen lassen. „Be-Entgrenzungen“ brauchen Ambiguität, damit sie in meinen Augen Bestand haben. Zugleich aber wird deutlich: Bilder haben Symbolkraft. Sie können immer auch gesellschaftliche Phänomene in Szene rücken und zugleich abstrahieren.

An diesem Punkt wird Land- und Sea-Art grenzüberschreitend gesellschaftspolitisch.

 

Mehr zu dem Land- und Sea-Art-Projekt „Be- und Entgrenzungen“

Hier einige Einlassungen von meiner Seite zu dem Projekt.

Gewachsene Pflanzenwelt, gepflegt. Nutzbar und wild zugleich. Rosen, Himbeeren, Holunder, Disteln. Ein Garten. Mit Ausblicken in den nahen Auenwald. Pappeln und Weiden. Irgendwo. Im Norden. Meeresnähe. Spätsommer, still. Nur selten gestörte Idylle. Locus amoenus. Oder gar ein hortus conclusus. Hinter hohen Hecken verborgen.

Mitten durch den Garten ein Papierzaun. Zeitungspapier. Nicht wetterbeständig. Von Weidenruten gehalten. Dem Wetter ausgesetzt. Regen und Wind. Schattenspiele auf dem Papier. Mit groben Strichen festgehalten. Notation eines Bewegungsverlaufs, Aufzeichnung des Lichteinfalls. John Cage auf Zeitungspapier. Zugleich ein Strichcode, eine Schrift, im Moment entstanden, impulsiv und emotional: eine Beschreibung des inneren Gartens. Wenn du die Augen schließt, kannst du die Stille hören.

Der Zaun begrenzt, teilt den Garten in Räume. Zeiträume. Teilt die Zeit. Davor und danach, dahinter und davor. Kunst und Natur. Verknüpfung von Kunst und Natur. Land-Art.

Später am Meer das gleiche Schauspiel. Jetzt Meeresgarten. Jetzt Meereszaun. Meeresbegrenzung: Salz und Schallfänger. Das Papier fängt den Gesang der Wellen auf. Salzgeschmack auf den Lippen. Da ist das Land, dort das Meer. Dazwischen Begrenzung. Steine. Sand. Sea-Art.

Begrenzung oder Entgrenzung? Papierzäune sind leicht. Sind durchlässige Zäune. Sie beschreiben eine Grenze, sind aber nicht wirklich Grenze. Eher umschreiben sie Entgrenzungen, öffnen statt zu versperren und zu begrenzen. Denn stets ist der Himmel nah

 

 

 18. Juli 2017  No Responses »
Jul 222016
 

  klammer_rot-kl

Am Anfang war ein farbiger Punkt: Die Kinder des Kindergarten der Lukasgemeinde Karlsruhe druckten mittels Stempel einen Farbpunkt auf je eine Postkarte. Die Postkarten wurden so an Künstler zur Weiterbearbeitung gegeben. Ich habe mich u.a. mit einer dreiteiligen Fotoserie beteiligt, die den Akt des Farb-Verstehens thematisierte und die Postkarten im Raum ausgestellt zeigte. Alle Arbeiten wurden schließlich auf einer Kunstauktion versteigert. Der Erlös war zugunsten der Ausstattung des Kindergartens . 

 22. Juli 2016  No Responses »
Dez 292015
 

Fähre über den Main, Würzburg, am Steinbach, 1960

Das Foto ist eine Art „Missing Link“: Auf dem wiederentdeckten Foto aus der Sammlung meines Vaters ist die Mainfähre in Würzburg zwischen der Sanderau und dem Steinbachtal zu sehen. Entstanden um 1960 als Dia, jetzt eingescannt und in ein Schwarz-Weiß-Foto verwandelt. Es ist ein kleines Versatzstück der Erinnerung, an die Zeit der Kindheit, an meine Heimatstadt Würzburg und die 60er Jahre, aber auch ein realer „Link“ über den Fluss. Dort, wo heute ein Steg über den Main führt, war bis in die 70er Jahre die Überquerung des Flusses nur mit einer Personenfähre möglich.

Mich berührt das Foto, weil mir sofort der Geruch des Mains in den Sinn kommt, das Schaukeln des Kahns und das leichte Schaudern eines Kindes, das noch nicht schwimmen konnte. Gut, dass die Mutter dabei war, so ließen sich damals Gefahren bestehen. Bei der Überquerung des Flusses habe ich gerne eine Hand ins Wasser gehalten, in der Hoffnung, einen Fisch berühren zu können.

Auf dem Foto ist zu erkennen, dass der Fluss zwei Welten trennt, die aber irgendwie in Verbindung stehen. Auf der einen Seite ist das Ufer deutlich zu erkennen, das andere ist nur zu erahnen. Eine Brücke würde den Fluss leicht und irgendwie auch absolut überwinden. Fähren erzählen andere Geschichten: Fähren fahren nur, wenn es der Fluss erlaubt. Wenn die Strömung nicht zu stark ist oder der Fluss vereist ist. Etwas Vorläufiges spüre ich, auch eine gewisse Ehrfucht vor dem Fluss und seiner Welt. Womöglich auch vor der Unterwelt.

Wer wirklich auf der anderen Seite ankommen will, muss sich auf etwas einlassen. Auf eine kleine Reise. Nicht alle können mit, sondern müssen warten. Bis zur nächsten Überfahrt. Oder man muss doch den Umweg über die nächste Brücke nehmen. Die Fahrt mit der Fähre berührt tiefere Schichten: sie ist ein Übergangsritus, ein rites de passage.

 29. Dezember 2015  No Responses »