Mai 202013
 

dazwischen – Waldinstallation 1

Farbfotografien, 70x100cm

Die Waldinstallation „dazwischen“ setzte die Idee der ersten Waldausstellung fort. Wieder verwendet werden Fotografien, die in der Ausstellung bereits als Bodenmarkierungen gedient hatten. Ein hohler Baumstamm faszinierte mich … ein Zufallsfund. Er wurde mir zum Bildhalter … im seinem Innenraum fanden die Fotografien Platz für den Moment. Es entstanden Fotografien von Fotografien, Abbildungen von abgebildeter Wirklichkeit. Mehrstufig: denn auch diese Fotografien handelt es sich teilweise um vermittelte Wirklichkeit in Form von abfotografierten Details aus Zeitungen. Kopierte Wirklichkeit, fotografisch erfasst, bewusst inszeniert: eine schillernde Zwischenwelt also. Ein Spiel mit Realität und Wirklichkeit, mit Original und Kopie. Die Waldinstallation lässt ahnen, wie verschaltet Wirklichkeit ist. Es geht meinen Fotografien nicht „um Wiedergabe dessen, was ‚wirklich‘ ist“, vielmehr geht es um „Wiedergabe dessen, was ich ‚wirklich‘ wahrnehme“ (nach: Susan Sontag, Über Fotografie, Frankfurt 1980, S. 116).

Und Wirklichkeit verändert sich, gerade auch in der Fotografie: Wenig später diente der Baumstamm mir als Spiegelhalter.

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Mai 202013
 

Rostfarben oder Wenn der Lack ab ist: rot, grün, blau

4 Farbfotografien aus einer fortlaufenden Serien „Rost“ 50×100 bzw. 70×100 cm

„Unter dem Pflaster, ja da liegt der Strand, komm reiß auch du ein paar Steine aus dem Sand“, heißt es in einem Lied von Angi Domdey von der Gruppe “Schneewittchen”. Für mich eine Aufforderung, zumindest den Blickwinkel auf die Welt wie sie ist (oder aber nicht ist) zu verändern. Ähnlich geht es mir mit dem Lack: Unter dem Lack, ja da wartet der Rost. Und Rost ist in der gelackten Antirostwelt immer eine Provokation. Die fotografisch gesammelten Rost- und Lackspuren zeugen von Verfall und Vergänglichkeit: Zumindest auf der Oberfläche. Doch genau diese blättert ja ab, rostet, verändert sich. Diese Veränderung öffnet bei näherer Betrachtung Zugänge zu einer eigenen Ästhetik. Zum Vorschein kommt die verdrängte Seite der blitzblanken Konsumwelt, die sich im Glauben im selbst proklamierten Glauben an eine schöne heile Welt spiegelt: „Wer ist die Schönste im ganzen Land“, lautet die kritische Spiegelformel. Der verdrängte Rost, der bröckelnde Lack, das scheinbar Hässliche hält der Welt des schönen Scheins den Spiegel vor.

Faktisch hat der Rost inzwischen in Nischen erstaunliche Akzeptanz gefunden: als Edelrost. Als Kortenstahlblech, ein wetterfester Baustahl, darf Rost sogar Fassaden schmücken. Die Rostästhetik mit der Anmutung eines beginnenden Verfalls von Metall darf sein, weil Rost uminterpretiert werden kann: Schutzrost, eine Form der Rostökologie. Gezähmte Provokation!

Aber wehe, wenn der Edelrost mit seiner paradoxen Anmutung zum Schmuddelrost wird, zum schlichten Rost. Dann ist die Rostbegeisterung schnell am Ende und der Ruf nach Rostentfernung wird laut. Rost greift an, entwertet was wertvoll war und sicher schien.

Am Ende bleibt offen, ob vor Rost eindringlich gewarnt werden muss frei nach dem Sprichwort „Wer rastet, der rostet“, oder ganz im Gegenteil die Wiederentdeckung des Rostes den lackierten Oberflächen lebendige Tiefendimensionen zugesteht.

Rost-Fotografie lenkt den Blick auf eine Welt, über die im Alltag gerne hinweggeschaut wird. Die negativen Konnotationen des Rost lösen sich durch die „antiästhetische“ Sicht der Rost-Fotografie auf. Sofern sie nicht auf reine Ästhetik verkürzt wird, wohnt ihr damit eine integrative Kraft inne, die symbolkräftig den Blick für gesellschaftliche Veränderungsprozesse öffnen kann und den schwarzen Fleck einer einseitigen Ästhetischen zumindest anrührt.

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Mai 202013
 

Knappensteig – eine Zeitreise

8 Schwarzweißfotografien aus der 80-teiligen Dokumentation

Dokumentation der Begehung des Knappensteigs. Eine fotografische Erkundung, um dem einst Alltäglichen auf die Spur zu kommen: täglich liefen die Knappen und Salinenarbeiter auf den Knappensteig von Hallein (447m) auf den Dürrnberg (772m) zu ihrer Arbeit im Salzbergwerk und wieder zurück. Die Fotografien dokumentieren implizit die Zeit, um auf den Berg zu gelangen: jeweils nach 30 Sekunden wurde ein Foto der Umgebung aufgezeichnet, mal der Steig selbst, dann eher Umgebungsspuren und schließlich der Beobachter Selbst in Bewegung. Es entstand eine Fotoserie der Schrittfolge auf dem Arbeitsweg zu einem entbehrungsreichen Arbeitsleben unter Tage.

Eine stille Hommage an alle Kumpels und Bergknappen.

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Mai 202013
 

Heilig: Chiffren aus Rinde

3 SW-Fotografien aus der Serie „Baumchiffren“ kontrastiert durch 2 SW-Fotographien aus der mehrteiligen Serie „Stationenweg“.

Die Schwarzweiß-Fotografie abstrahiert, rückt Rindenstruktur und Bildhauerei in die Nähe, macht zugrundeliegende Strukturen und Chiffren sichtbar. Rinde verwandelt sich in Kunst, und die Formensprache der Kunst offenbart bei näherer Betrachtung große Nähe zur Natur. Es hat den Anschein, als gäbe es einen gemeinsamen Nenner, so etwas wie eine unterschwellige gemeinsame (Bild-)Sprache. Schwarzweiß-Fotografie ermöglicht diese Perspektive: die Objekte lösen sich auf, verlassen ihren Kontext, verändern ihre Gestalt je nach Sichtweise und Blickwinkel.

Wahrnehmung von Fotografien kann über sich hinausgehen, zur Bildmeditation werden. Ob man so weit gehen will, in den gezeigten Bildern „Heiliges“ zu erspüren, sei jedem selbst überlassen. Der Titel „Heilig“ jedenfalls versteht sich als Impuls, diesen Schritt zu wagen. Die Zusammenschau von Baumchiffren und Ausschnitten eines Stationenwegs verwandelt Fotografie gleichsam in eine neue Form der Hagiographie (griech. hagion „heilig“ und  graphein ritzen, schreiben, zeichnen“):

„Die Mitte jeder hagiographischen Erzählung ist die Begegnung eines Menschen mit Gott. Hagiographien haben in allen didaktischen Prozessen eine herausragende Bedeutung, weil hier von glaubwürdigen Gotteserfahrungen im biographischen Kontext anschaulich und erfahrungsbezogen gesprochen wird. Hagiographisches Erzählen richtet den Blick auf religiöse Schlüsselerfahrungen und führt daher immer zu letzten Fragen der Wahrheit und Wahrhaftigkeit.“ (Siehe: Anregungen für eine Pädagogik des Heiligen, in Uwe Wolff , Walter Nigg und sein Weg zur Hagiographie, Freiburg/Schweiz 2007, S. 364ff.)

 

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Mai 202013
 

Spuren und Zeichen II

2 Farbfotografien 100x70cm

Monochrome Asphalt-Spuren, Kritzeleien, Schmierereien, Schriftzeichen, Muster, Graffiti, Zeichen, Chiffren – unscheinbare Welten, scheinbar bedeutungslos und zufällig. Diese Spuren erinnern an grafische, drucktechnischen Arbeiten und lassen sich als eine Hommage an die Heliographie verstehen (s.u.). In der Zusammenschau von jewils 4 Fotografien wird ihr Symbolgehalt deutlich, randständige Zufallsfunde, die mittels Fotografie aus ihren jeweiligen Kontexten herausgelöst werden und zu einer eigenen Zeichensprache werden. All das mehr oder minder sinnfällig, oszillierend zwischen zugeschriebener Bedeutung und gleichzeitiger Bedeutungslosigkeit.

Die Spuren sind Wort und Bild zugleich, ein Verweis auf die erste Zeit der Fotografie, als man begann „die Wirklichkeit als eine Art Schrift zu begreifen, die es zu entschlüsseln gilt – genau wie fotografische Bilder selbst zunächst mit der Schrift verglichen wurden“.(Susan Sontag in „Über Fotografie“).

Joseph Nicéphore Niépce, der Erfinder der weltweit ersten fotografischen Technik, sprach von Heliographie (von griech. helios Sonne und graphein ritzen, schreiben, zeichnen), also von Sonnenschrift, die er mittels eines lichtempfindlichen Asphalts erzeugte. Und die Photographie (von griech. phos, photos, Licht, Helligkeit und wieder graphein) ist wörtlich genommen eben nicht nur das Lichtbild, sondern auch Lichtmalerei und Lichtschrift.

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